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Baum d. Jahres


Die Weiß-Tanne steht für eine naturgerechte, nachhaltige Waldwirtschaft. Sie sind die höchsten Bäume Europas. Die Weiß-Tanne ist die Baumart mit dem stärksten Rückgang ihrer Vorkommen in den letzten 200 Jahren.

Dr. Silvius Wodarz, der Vorsitzende der Kommission zum Baum des Jahres 2004, gab in Berlin vor der Bewertungskommission folgendes bekannt:

"Die Weiß-Tanne steht für eine naturgerechte, nachhaltige Waldwirtschaft und weist auf die Empfindlichkeit von Bäumen gegenüber Umweltveränderungen durch uns Menschen hin. Sie macht, wie kaum eine andere Baumart, Beeinträchtigungen durch Luftschadstoffe deutlich und fordert zu Lösungen auf.

Den Namen "Tanne" kennt nahezu jeder, aber die Baumart als solche werden wohl nur wenige wirklich erkennen. Die Weiß-Tanne wächst zu einem mächtigen Baum heran. In der Oberkrone entwickelt sich dann ein gut erkennbares sog. "Storchennest", die Vorherrschaft des Wipfeltriebes geht verloren und die Seitenäste bilden eine abgeflachte Kronenspitze. Weiß-Tannen sind die höchsten Bäume Europas. Sie erreichen ein Höchstalter von 500 bis 600 Jahren. Die Weiß-Tanne hat eine große Wurzelintensität. Sie dringt anfangs mit einer Pfahlwurzel tief in den Boden ein, die sich später zu einem kräftigen Herzwurzelsystem entwickelt. Sie erschließt sich so tiefere Bodenschichen und erreicht große Standfestigkeit.

Die Rinde -  in der Jungend glatt, später schuppig - ist auffallend hell-grau. Daher der Name Weiß-Tanne. Die Nadeln sind weich und an der Spitze stumpf. Sie stehen auf kleinen Füßchen, die wie Saugnäpfe am Zweig befestigt sind. Die Nadeln duften ganz wunderbar, wenn man sie zwischen den Fingern zerreibt - die der Weiß-Tanne riechen nach Terpentin-Balsam. Die Nadeln werden ca. 10 Jahre alt, im Hochgebirge auch schon 14 Jahre - ein Rekord unter den heimischen Nadelbaumarten. Sie sind gut zersetzlich. Die günstigen Inhaltstoffe machen sie allerdings auch zum Leckerbissen für das Wild.

Die Weiß-Tannen blühen spät in ihrem Leben, nämlich erst mit etwa 50 Jahren. Die aufrecht stehenden weiblichen Zapfen-Blütenstände reifen im Herbst zu bis zu 16cm großen Tannenzapfen heran. Diese stehen auf den Zweigen, bei fast allen anderen Nadelbäumen hängen die Zapfen. Die Samen fallen aus den stehenden Zapfen und segeln zu Boden, übrig bleibt die stehende Spindel. Wirkliche Tannenzapfen findet man daher nicht auf dem Waldboden.

Die junge Weiß-Tanne verträgt viel Schatten und kann bis zu 150 Jahre darauf "warten", dass sie vom Licht "wachgeküsst" wird, nachdem umstehende Altbäumen abgestorben oder gefällt worden sind.

Die Weiß-Tanne bevorzugt luftfeuchte Lagen mit mindestens 600 mm Niederschlag im Jahr. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet ist das südliche Mittel- und Südost-Europa.

Die Weiß-Tanne ist die Baumart mit dem stärksten Rückgang des Vorkommens in den letzten 200 Jahren - 90% der ursprünglichen Fläche sind verloren. Es gibt dafür mehrere Gründe. Eine wesentliche Rolle spielt die eiszeitliche Wanderungsgeschichte der Weiß-Tanne. Sie hat die Eiszeiten in nur kleineren, von einander getrennten Populationen überdauert. Das führte zum Verlust von Genen und zur Inzucht und hat ihre heutige verringerte Anpassungsfähigkeit zur Folge. Sie ist anfällig und empfindlich gegen Trockenheit, Klimaveränderungen und Luftschadstoffe. Der Verbiss durch Rot- und Reh-Wild macht ihr ebenso zu schaffen wie Kahlschläge, ├ťbernutzung, zu starke Beschattung bzw. zu plötzliche Freistellung und die Konkurrenz der Fichte. Die geschädigten Tannen produzieren einen extrem hohen Anteil tauber Samen. Abzuhelfen ist dem durch das gezielte Zusammenführen der isolierten Restbestände (z.B. Pflanzung und künstlicher Pollenaustausch).

Das Holz lässt sich gut bearbeiten und wird als Bau- und Konstruktionsholz, im Innenausbau, für Dielenböden und Möbel, als Resonanzholz bei Musikinstrumenten, für Dachschindeln und neuerdings für Hightech-Produkte wie Thermoholz oder Superlamellen verwendet. Der Turm des Freiburger Münsters trägt innen tausendjähriges Tannengebälk. Teile Amsterdams sollen auf Tannenpfählen stehen. Das berühmt gewordene Dach bei der Weltausstellung im Jahre 2000 in Hannover wurde aus 70 starken Weiß-Tannen hergestellt.

Weiß-Tannenhonig ist eine besondere Rarität. Die Inhaltsstoffe der Nadeln geben Kräuterbädern eine eigene Note. Das Tannenharz, auch als "Elsässer Terpentin" im Handel, war in vielen Pflastern und Salben enthalten und Tannenbier spielte im Mittelalter eine "berauschende" Rolle. Und schließlich >> "Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum...." allein in Deutschland werden jährlich fast 30 Mio. "Tannenbäume" zu Weihnachten aufgestellt - die wenigsten davon sind heute allerdings Weiß-Tannen - aber mit Tannen fing es tatsächlich an. 1539 stand im Straßburger Münster der erste urkundlich erwähnte Weihnachtsbaum. Schon bei den alten Germanen hatte die Tanne wegen ihrer immergrünen Zweige Kult-Bedeutung. So wurden um die Wintersonnenwende Tannenzweige auf öffentliche Plätze und vor die Häuser gelegt. Die Weiß-Tanne, ein Baum mit ausgeprägtem Eigencharakter steht im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses.

"Die Weiß- oder Edeltanne ist, ähnlich wie die Eiche unter den Laubbäumen, durch Adel der Gestalt wie durch das Alter und die mächtigen Dimensionen, unstreitig die Königin unserer Nadelbäume" so Ludwig Klein im Jahre 1908.

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